Berliner „Islamismus-Monitor“: Sicherheitspolitik oder Generalverdacht gegen Muslime?

Berliner „Islamismus-Monitor“: Sicherheitspolitik oder Generalverdacht gegen Muslime? 

DAVA kritisiert die sprachliche Konstruktion des neuen Berichts der Berliner Senatsverwaltung als diskriminierend und gesellschaftsspaltend.

Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat einen sogenannten „Islamismus-Monitor“ veröffentlicht, die aktuellen Entwicklungen im Bereich religiös motivierter Extremismus in Berlin dokumentieren soll. DAVA nimmt diesen Bericht zum Anlass, auf eine gefährliche sprachliche Schieflage aufmerksam zu machen, die in einem Behördendokument nichts zu suchen hat.

Der Begriff „Islamismus“ und seine Ableitungen — islamistisch, islamistische Szene, islamistische Propaganda, islamistischer Extremismus — kommen im Dokument auf 26 Seiten über 150-mal vor. Auf fast jeder Seite wird der Islam sprachlich in unmittelbarer Nähe zu Begriffen wie Terror, Gefährdung, Propaganda und Radikalisierung positioniert. Eine einzige Erwähnung der Tatsache, dass die rund 350.000 muslimischen Berlinerinnen und Berliner mit diesen Phänomenen nichts zu tun haben, sucht man im gesamten Dokument vergeblich.

„Sicherheit ist eine staatliche Pflicht – und wir nehmen jede terroristische Bedrohung ernst. Aber ein Behördendokument, das eine Religionsgemeinschaft zum sprachlichen Rahmen für Bedrohungsszenarien macht, ohne sie ein einziges Mal ausdrücklich davon auszunehmen, erfüllt diese Pflicht nicht. Es verschiebt sie – vom Schutz aller Bürgerinnen und Bürger hin zur Verdächtigung einer ganzen Gemeinschaft.“

Mohammad Ale Hosseini​ – Stellvertretender Vorsitzender DAVA

Der Report unterscheidet zwar formal zwischen „islamistisch“ und „islamisch“, doch durch die schiere Wiederholungsfrequenz des Begriffs und die fehlende Einordnung entsteht im öffentlichen Bewusstsein ein Generalverdacht gegen alle praktizierenden Muslime. Diesen Effekt nennt die Kommunikationswissenschaft kognitive Kontamination durch Framing.

DAVA fordert von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport eine sprachliche Überarbeitung künftiger Berichte. Präzisere Begriffe wie „jihadistischer Extremismus“, „IS-nahe Netzwerke“ oder „politisch-religiöser Extremismus“ benennen die tatsächlichen Akteure ohne eine gesamte Religionsgemeinschaft mitzudiskreditieren. Zudem müssen derartige Berichte zwingend einen einordnenden Kontext enthalten, der das Verhältnis zwischen extremistischen Kleinstgruppen und der breiten muslimischen Bevölkerung transparent macht.

Muslimische Berlinerinnen und Berliner leisten täglich ihren Beitrag zu dieser Stadt — als Ärztinnen, Unternehmer, Lehrerinnen, Nachbarn. Sie verdienen eine Sicherheitspolitik, die sie schützt, nicht eine, die sie unter Verdacht stellt. DAVA steht für eine Gesellschaft, in der Herkunft und Religionszugehörigkeit kein Maßstab für staatliches Misstrauen sind.

 „Gemeinsam stark. Miteinander vereint“

Frankfurt am Main, den 15.04.2026

 

Vorstand DAVA

Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch

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